Uta Tschentscher ist Gründerin von Non Fungible Female, eine Online-Galerie, die weiblichen Künstlerinnen die Möglichkeit bietet, ihre ersten Schritte in der faszinierenden Welt der NFTs zu unternehmen. In diesem Interview möchten wir denjenigen von euch, die bisher wenig oder keine Erfahrung mit NFTs haben, die Gelegenheit geben, sich diesem Thema anzunähern und mehr darüber zu erfahren. Uta ist dazu nicht nur eine NFT-Expertin, sondern auch eine Anti-Scam-Lehrerin, die sich dafür einsetzt, Künstler:innen das nötige Wissen zu vermitteln, um Betrügereien zu erkennen und zu vermeiden.
Wir werden uns mit Uta über verschiedene Aspekte der NFTs unterhalten, angefangen von der Frage, was NFTs überhaupt sind, bis hin zur Bedeutung von NFTs für die Kunstwelt im Allgemeinen. Ihr werdet auch erfahren, wie ihr als Künstler:innen von NFTs profitieren könnt und welche Schritte es zu unternehmen gilt, um euch vor betrügerischen Aktivitäten auf Instagram und Co. zu schützen.
Uta, bevor wir in die Details gehen, könntest du unseren Leserinnen und Lesern in eigenen Worten erklären, was ein NFT ist und wie es sich von herkömmlichem Kunstbesitz unterscheidet?
Ein NFT ist einfach gesagt, ein digitales Original. Ein NFT steht für „Non-Fungible Token“ und ist eine digitale Einheit, die auf der Blockchain-Technologie basiert. Es handelt sich um ein einzigartiges digitales Asset, das nicht austauschbar ist, im Gegensatz zu Kryptowährungen wie Bitcoin oder auch herkömmlichen Geldscheinen, die fungibel sind. NFTs werden häufig verwendet, um digitale Kunstwerke, Sammlerstücke, Musik, Videos und andere digitale Inhalte zu repräsentieren und zu verkaufen. Jedes NFT hat einen eindeutigen Wert und Besitznachweis, der in der Blockchain gespeichert wird. Dadurch können digitale Assets eindeutig identifiziert und gehandelt werden.
Was hat dich dazu inspiriert, Anti-Scam-Teacherin zu werden und vor allem Künstlerinnen dabei zu helfen, sich im NFT-Dschungel zurechtzufinden?
Künstlerinnen und auch alle anderen Menschen, die sich noch nicht so gut im Blockchain Space auskennen, sich aber gerne damit auseinandersetzen möchten, werden leider sehr sehr oft Opfer von Betrugsversuchen. Der Blockchain, NFT, Web3 Bereich ist noch sehr neu und auch ziemlich kompliziert, so dass immer wieder das Interesse von Leuten ausgenutzt wird. Künstler:innen sind da leider sehr häufig das Ziel. Wenn Du zB auf Instagram den Hashtag „NFT“ verwendest, kannst Du sicher sein, dass Du von betrügerischen Trollen angeschrieben wirst. Da die Versuche eigentlich immer nach Schema F ablaufen, muss man sein Wissen in dem Bereich nur ein bisschen ausbauen, um erkennen zu können, ob es sich um einen Scam Versuch oder echtes Kaufinteresse handelt.
Als Künstler:in fragt man sich natürlich, warum man überhaupt in die Welt der NFTs eintauchen sollte. Was sind deiner Meinung nach die einzigartigen Vorteile, die sie bieten?
Oh, da fällt mir eine ganze Menge ein. Als Künstler:in bieten NFTs einige einzigartige Vorteile:
Authentizität und Eigentumsnachweis: NFTs ermöglichen es Künstler:innen, den Ursprung und die Echtheit ihrer digitalen Kunstwerke zu bestätigen. Die Blockchain-Technologie gewährleistet einen unwiderlegbaren Eigentumsnachweis, der Fälschungen verhindert.
Direkter Künstler:innen-Verkauf: Durch NFT-Marktplätze können Künstler:innen ihre Werke direkt an Sammler verkaufen, ohne traditionelle Vermittler wie Galerien oder Auktionshäuser. Dadurch erhalten sie mehr Kontrolle über ihre Kunst und können ihre Gewinne maximieren.
Lizenzierung und Reselling: Künstler:innen können bestimmte Rechte an ihren Werken in NFT-Verträgen festlegen. So können sie beispielsweise festlegen, wie und wo ihre Kunstwerke wiederverkauft oder lizenziert werden dürfen. Dies ermöglicht langfristige Beteiligungen an den Verkäufen.
Globaler Marktzugang: NFTs eröffnen Künstler:innen die Möglichkeit, weltweit ein internationales Publikum zu erreichen. Es gibt keine geografischen Einschränkungen, und Sammler aus verschiedenen Ländern können an Auktionen und Verkäufen teilnehmen.
Neue Einnahmequellen: Neben dem Verkauf der Originalwerke können Künstler:innen auch von Lizenzgebühren, Auktionserlösen und Royalties profitieren, wenn ihre NFTs weiterverkauft werden.
Fan-Engagement und Community-Building: NFTs fördern eine engagierte Community von Sammlern und Fans. Künstler:innen können mit ihren Anhängern interagieren und ein treues Publikum aufbauen.
Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass der NFT-Markt volatil ist und die Technologie noch relativ jung ist. Wie bei allen Investitionen birgt er Risiken, und es ist ratsam, sich gründlich zu informieren und sorgfältig abzuwägen, ob und wie man in den NFT-Markt einsteigen möchte.
In deiner Arbeit hast du sicherlich schon mit allerhand Vorurteilen und Skepsis gegenüber NFTs zu kämpfen gehabt. Welche sind dir am häufigsten begegnet und wie gehst du damit um?
Es ist tatsächlich so, dass viele Menschen noch nie von Blockchain oder NFTs gehört haben. Kryptowährungen haben ein schlechtes Image als Zahlungsmittel für Drogenhandel etc. Da gilt es erstmal schon eine Menge Vorurteile auszuräumen und zu erklären, wofür diese Technologie eigentlich gedacht ist und wie viele Vorteile sie für uns alle mit sich bringt.
Bei Kunst-NFTs kommt noch hinzu, dass es sich in der Regel um rein digitale und damit für viele nicht greifbare Werte handelt. Die meisten Menschen bevorzugen ein „richtiges“ Bild an der Wand. Mit Non Fungible Female versuche ich daher zu zeigen, dass die digitalen NFTs die physische Kunst nicht ersetzen, sondern ergänzen können. Bei uns kann man in der Regel das physische und das digitale Original kaufen. In unseren Ausstellungen konnten wir aber auch bereits zeigen, dass es durchaus schick sein kann, sich einen Bildschirm statt eines klassischen Rahmens aufzuhängen. Die Bilder haben eine ganz andere Leuchtkraft, man kann die Motive schnell wechseln, man kann bewegte Bilder ausstellen. Die Entwicklung der entsprechenden Bildschirme geht auch in diese Richtung. Es gibt inzwischen NFT-Bildschirme in vielen Größen und Formaten.
Lass uns über die Rolle von NFTs als Echtheitszertifikat sprechen. Wie beeinflusst das die Künstler:innen und ihre Käufer:innen?
Den Künstler:innen ist es eigentlich sehr eingängig, dass man sowohl physische als auch digitale Originale haben kann. Künstler:innen, die bisher sowieso schon digital gearbeitet haben, begrüßen diese Möglichkeit ungemein. Endlich kann man seine Urheberschaft zweifelsfrei nachweisen und monetarisieren. Der unrechtmäßigen und unbezahlten Nutzung von digitalen Inhalten durch „rightclicksave“ wird so ein Riegel vorgeschoben.
Bei Käufer:innen bedarf es da in der Regel noch etwas Aufklärungsarbeit. Es hilft meist, die Frage nach Wert im Allgemeinen aufzuwerfen. Was macht den Wert herkömmlicher Kunst aus? Der reine Materialwert ist meistens nicht besonders hoch. Warum möchte ich einen Original Picasso besitzen? Und nicht nur ein Poster? Warum möchte eine Person einen Ferrari, eine andere eine Rolex und eine dritte eine Birkin Bag? Sich diese Fragen zu stellen, hilft sehr oft dabei den Wert eines digitalen Assets für sich bemessen zu können.
Das Prinzip von NFTs sollte klarer geworden sein. Aber wie kauft man sie eigentlich? Könntest du uns den Ablauf von Anfang bis Ende erklären, sodass auch absolute Anfänger:innen eine Idee bekommen können?
Zunächst brauchst Du ein Wallet. Das ist ein Konto auf dem Du Deine Kryptowährungen und auch Deine NFTs aufbewahrst. Wenn Du schon weißt, wo Du, welches NFT kaufen möchtest, weißt Du auch bereits wieviel dieses NFT kostet und in welcher Kryptowährung Du es bezahlen sollst. Du kannst jetzt die entsprechende Kryptowährung auf Dein Wallet einzahlen. Das geht entweder über eine Kryptobörse oder in vielen Fällen auch schon direkt mit der Kreditkarte. Aber Achtung! Bei Zahlung mit der Kreditkarte musst Du höhere Gebühren bezahlen. Als nächstes kannst Du jetzt das NFT bei der Künstler:in direkt oder über den Marktplatz auf dem es angeboten wird, kaufen. Das geht so ähnlich wie mit PayPal zu bezahlen.
Beim Auswahlprozess eines NFT-Marktplatzes gibt es sicherlich viele Faktoren zu beachten. Welche würdest du betonen und worauf sollten Künstlerinnen besonders achten?
Ja, es gibt in der Tat sehr viele Marktplätze. Der größte und bekannteste ist mit Abstand OpenSea. Der ist sehr schön für den Einstieg, da er sehr einfach zu handhaben ist. OpenSea ist aber auch riesig. Dort als neue Künstler:in gefunden zu werden ist fast unmöglich. Aber es gibt ja auch andere Wege, um auf sich aufmerksam zu machen. Schön ist es, auf kuratierten Marktplätzen wie z.B. Rarible oder Foundation vertreten zu sein. Richtige Kunstsammelnde schauen mit Sicherheit eher dort als auf OpenSea. Wenn man richtig ins Business einsteigen will, sollte man aber am besten seine eigenen Smart Contracts kreieren. Das macht unabhängiger.
Stell dir vor, interessierte Künstler:innen lesen diesen Beitrag und möchten selbst in die Welt der NFTs eintauchen. Welche Schritte würdest du ihnen empfehlen, um den Anfang zu machen? Wo und wie lassen sich ggf. seriöse Partner finden?
Am besten bei mir melden.
Spaß beiseite. Für den Anfang ist es bestimmt richtig, ein bisschen auf OpenSea rumzuspielen. Man braucht zwar ein Wallet, aber es ist absolut kostenfrei. Erst, wenn man etwas verkauft, fallen Gebühren an (sehr wichtig! Dies ist nämlich einer der Scamtricks. Die Betrüger:innen behaupten, etwas kaufen zu wollen, aber man müsse erstmal eine bestimmte Gebühr an den Marktplatz bezahlen. Das ist falsch!). Ansonsten ist Twitter ein guter Ort, um sich über Tendenzen im NFT-Bereich zu informieren.
Non Fungible Female unterstützt Künstlerinnen dabei, ihren Weg im NFT-Universum zu finden. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie du das machst und welche Angebote du bereitstellst?
Ich biete im Prinzip Kurse an, für alle, die sich für Blockchain interessieren. Es geht darum, zunächst zu verstehen, was die Blockchain überhaupt ist. Außerdem lernst Du natürlich, wie Du ein Wallet anlegst und Kryptowährungen kaufst. Mit Künstlerinnen bespreche ich zusätzlich das Minten, also das Erstellen eines NFTs und die Vor- und Nachteile einiger Marktplätze.
Für Künstlerinnen, die noch weiter eintauchen möchten, biete ich die Umsetzung einer Marketingstrategie an. Der Handel mit NFTs weicht ein bisschen vom herkömmlichen Kunstmarkt ab. Wir sprechen da über verschiedene Mechanismen, die dann hoffentlich zu erfolgreichen Verkäufen führen.
Außerdem besteht die Möglichkeit, Non Fungible Female Künstlerin zu werden und an unseren Pop Up Ausstellungen teilzunehmen.
Wie hat sich die Wahrnehmung von NFTs deiner Meinung nach im Laufe der Zeit verändert?
Ich habe schon den Eindruck, das sich die Bekanntheit von NFTs stark verbessert hat. Einige Museen und viele Galerien und Auktionshäuser beschäftigen sich inzwischen mit NFTs. Von der Akzeptanz der Masse sind wir aber noch ein ganzes Stück entfernt. Ich hoffe, das ändert sich Schritt für Schritt und ich hoffe, ich kann ein kleines bisschen dazu beitragen.
Betrugsfälle sind leider ein ernstzunehmendes Problem, insbesondere auf Instagram werden Künstler:innen fast täglich mit unseriösen NFT-Anfragen bombardiert. Was können Künstler:innen tun, um sich vor Scams und betrügerischen Aktivitäten zu schützen? Was sind sogenannte Red Flags, also Warnsignale anhand derer man sich ein erstes Urteil bilden kann?
Absolute Red Flags sind:
„Ich mag Deine Kunst, aber ich arbeite nur mit Marktplatz xy.“
Das ist Quatsch und die angegeben Marktplätze gibt es gar nicht.
Und wie oben schon erwähnt:
„Ich möchte Dein NFT auf OpenSea kaufen, aber Du musst erst eine Gebühr bezahlen“ Das ist falsch. OpenSea zieht die Gebühren automatisch von Deinem Verkaufserlös ab. Du musst nichts vorher bezahlen.
Der beste Weg bei vermeintlichen Interessent:innen ist, den Link von Deinem NFT auf OpenSea oder einem anderen Marktplatz zu schicken und fertig. Du musst nichts weiter tun.
Was möchtest du unseren Leserinnen und Lesern abschließend mit auf den Weg geben, die noch skeptisch gegenüber NFTs sind?
Probiert es einfach mal aus. Es ist eigentlich ganz einfach. Beherzigt die wichtigste Anti-Scam-Regel: Du musst niemals was bezahlen.
Im besten Fall findet Ihr neue Kund:innen und ganz nebenbei lernt ihr eine bahnbrechende, revolutionäre Technologie kennen, die sich mehr und mehr durchsetzen wird und dann seid Ihr von Anfang an dabeigewesen.
Liebe Uta, vielen Dank für deine Zeit und die spannenden Einblicke!
August I 2023
