Artist Spotlight – im Gespräch mit Anna Karina Eggert

In der Welt der zeitgenössischen Kunst gibt es Geschichten, die nicht nur durch ihre visuelle Kraft fesseln, sondern auch durch die Tiefe und Authentizität ihrer Schöpfer:innen. Eine dieser Geschichten gehört Anna Karina Eggert, einer vielseitigen Künstlerin, deren Werk sich in den fließenden Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit bewegt. Anna Karina ist nicht nur eine Malerin, deren Arbeiten die feinen Nuancen des menschlichen Daseins einfangen, sondern auch Dozentin und eine Stimme, die sich mutig zu Themen der mentalen Gesundheit äußert. Ihre Kunst – eine fesselnde Mischung aus intuitivem Zeichnen, lebendigen Aquarellen und tiefgründigen Tuschezeichnungen – spiegelt ihre persönliche Reise und ihre Auseinandersetzung mit der eigenen Verletzlichkeit wider.

Als junge Mutter navigiert Anna durch die Komplexität des Lebens und der Kreativität, balanciert die Rollen als Künstlerin, Dozentin und Familienmensch. Ihre Offenheit über die eigenen Herausforderungen mit der mentalen Gesundheit hat nicht nur ein Licht auf die heilende Kraft der Kunst geworfen, sondern auch einen Raum für Dialog und Verständnis innerhalb ihrer Community geschaffen.

In unserem Interview tauchen wir tiefer in ihre künstlerische Reise ein, entdecken die vielfältigen Facetten ihres Schaffens und ihres Lebens und, wie sie durch Kunst sowohl persönliche Heilung als auch gesellschaftliche Veränderung anstrebt.

Wie würdest du deinen künstlerischen Stil beschreiben, und wer oder was inspiriert dich?

Ich arbeite am liebsten intuitiv. Das heißt, ich versuche, mich von konkreten Vorstellungen zu lösen. Damit die Bilder nicht nur abstrakt sind, kombiniere ich im Prozess oft eine Phase des Experimentierens mit konkreter Zeichnung oder Malerei. Ich würde meinen Stil als experimentell, intuitiv und modern bezeichnen. Meine Inspiration ist die Natur, die Tier- und Pflanzenwelt. Aber auch zunehmend Themen, die mich persönlich beschäftigen, wie mentale Gesundheit, Träume. All dies versuche ich in meiner Malerei zu verarbeiten. 

Wie findest du deine künstlerische Stimme in einer Welt, die von visuellen Reizen überflutet wird?

Das ist in der Tat sehr schwierig. Allein wenn ich bei Etsy nach einem Wal, gemalt mit Aquarell, suche, bekomme ich eine Million Treffer. Das kann entmutigend sein. Ich denke, es ist wichtig, auf sich selbst zu schauen und den eigenen, künstlerischen Weg zu festigen. Und nicht zu sehr nach rechts und links zu schauen.

 

Gibt es eine bestimmte Botschaft oder ein Ziel, das du mit deiner Kunst verfolgst?

Ich möchte, dass die Menschen sich zugestehen, zu träumen. Weiterzudenken. Die Fantasie und Vorstellungskraft ist ein so mächtiges Instrument, das viele in ihrem Alltag oder im Lauf des Erwachsenwerdens verlernen. Es hilft uns aber, immer wieder nach neuen Wegen und Lösungen zu suchen. Ich hasse Stillstand  man sollte immer in Bewegung bleiben, neugierig sein.

Du sprichst oft über die Wichtigkeit, authentisch zu sein. Wie findest du diese Authentizität in deiner Kunst?

 Das ist eine gute Frage. Ist meine Kunst authentisch? Übersetzt man den Begriff mit Glaubwürdigkeit, dann würde ich sagen, nein. Denn ich versuche ja gerade, mit meiner Malerei die Grenzen des Realen, des „Glaubwürdigen“ zu versetzen. Ich stelle mir ganz bewusst Welten vor, die der Fantasie entspringen. Ich glaube daran, dass wir träumen dürfen. Ob ich als Künstlerin authentisch bin, ist eine andere Frage. Ich zeige mich mittlerweile sehr offen, auch mit meiner psychischen Erkrankung und persönlichen Themen. Als Mensch und wie ich mich präsentiere,  hoffe ich, für die Welt authentisch zu sein.

Hast du ein Lieblingskunstwerk, das du geschaffen hast? Wenn ja, welches und warum?

Der emotionale Bezug zu meinen Bildern ist gar nicht so groß wie man vielleicht denkt. Ich erfreue mich am Prozess und den Reaktionen der Menschen, oder an meiner künstlerischen Entwicklung. Gedanklich bin ich aber immer schon beim nächsten Bild oder Projekt. Wenn ich eines auswählen müsste, wäre es „Alva“. Es öffnet immer beim Betrachten eine Welt für mich und das sollte das Ziel sein.

Wie hat die Digitalisierung deine Kunstpraxis verändert?

Ich finde es schön, dass sich jede/r meine Kunst als Kunstdruck zuhause aufhängen kann, ohne direkt das Original zu kaufen. Es hilft auch in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit. Hinzu kommt meine Website, auf der ich meine Bilder so präsentieren kann, wie ich es für richtig halte. Die digitale Welt gibt mir als Künstlerin somit ein Stück Freiheit und Selbstbestimmung. Ich bin nicht angewiesen auf Ausstellungen oder Galerien.

Instagram ist eine Plattform, die du aktiv nutzt. Wie verbindest du dich dort mit deinem Publikum, und was bedeutet diese Verbindung für dich?

Für mich ist Instagram mehr und mehr eine Ausdrucksform geworden für verschiedene Aspekte meines Lebens. Im Fokus steht meine Arbeit, mein Tun, also meine Kunst. Ich zeige die Ergebnisse und Prozesse, liebe den Austausch mit der Community. Hinzu kommt aber auch noch meine persönliche Geschichte und meine Erfahrungen, die ich in Form von Reels oder Posts verarbeite. Mir bietet die Platform die Möglichkeit, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen und eine Stimme zu bekommen. Sei es für die Kunst oder mich als Mensch. Wobei das eh alles miteinander verwoben ist 😊

Welche Rolle spielt Instagram in deinem künstlerischen Ausdruck und in der Vermarktung deiner Werke?

Die Vermarktung ist natürlich ein Thema für sich, man möchte auf der einen Seite seine Community nicht mit Werbung zupflastern und möchte aber trotzdem davon leben können und braucht Werbung, um Geld zu verdienen. Ich denke, diesen Spagat muss jeder Content Creator für sich selbst definieren und finden. Ich selbst bewerbe Werke immer, wenn sie neu sind und möchte, dass sie gesehen werden. Dann liegt die Entscheidung bei der potenziellen Käuferin.

Hast du Tipps für andere Künstler:innen, wie sie digitale Plattformen nutzen können, um ihre Arbeit zu präsentieren?

Ich denke, wichtig ist, seinen eigenen Weg zu finden. Etwas Mut und Experimentierfreude gehört dazu. Man sollte schon etwas Spaß daran haben. Am Ende kann man aber sein digitales Portfolio genau so gestalten, wie man möchte und wenn man sich dies vor Augen hält, müsste es auch für jede/n das richtige sein. 

Du bist Künstlerin, Dozentin, Mutter und Ehefrau. Wie gelingt es dir, diese Rollen zu vereinbaren und die Balance zu deinem künstlerischen Schaffen zu halten?

Es gelingt mir nicht.  Zu behaupten, dass das funktioniert, wäre eine glatte Lüge. Fakt ist, dass ständig alles zu kurz kommt und man immer das Gefühl hat, „mehr“ machen zu müssen. Ich bin noch relativ am Anfang und denke, dass ich mit der Zeit lerne, meine Energie zu verteilen. Immer, wenn etwas keine Freude mehr bringt, mache ich eine Pause. Das ist das Gute an der Selbstständigkeit. Das kann natürlich nicht jede/r. Da habe ich großes Glück.

Welches Feedback oder welche Reaktion hat dich in deiner Karriere am meisten bewegt?

Ein Chef sagte mal zu mir, ich sei zu ehrgeizig. Das sagt einiges darüber aus, wie mein Leben in der Werbewelt aussah. Zuvor hat mal eine Dozentin zu mir gesagt, das war nach meiner Diplomprüfung in der Uni, ich könne mich ruhig mehr zeigen. Ich müsste mich nicht verstecken. Dieser Satz hat mich lange begleitet und ich denke, dass ich ihn ganz gut umgesetzt habe. 

Du sprichst offen über deine persönlichen Herausforderungen, im alltäglichen Leben wie auch zum Thema mentaler Gesundheit. Wie hat sich dies auf deine Kunst ausgewirkt und vielleicht auch auf die Beziehung zu deinem Publikum ausgewirkt?

Grundsätzlich bin ich einfach total bei mir selbst angekommen. Ich zeige mich so offen, dass ich nichts mehr zu verbergen habe. Ich bin ein offenes Buch. Und ich denke, dass Menschen dies inspiriert. Zumindest hoffe ich das. Zu meiner Kunst ist es tatsächlich manchmal ein Widerspruch. Ich bilde die Welt am liebsten in den buntesten Farben und prächtigsten Formen ab. Vielleicht sollte ich darüber mal nachdenken… 

Wie siehst du den Zusammenhang zwischen Kunst und mentaler Gesundheit?

Kunst schafft eine Form des Ausdrucks. Es kann ein Ventil sein, wie für andere Sport oder Musik. Daher habe ich einen Malkurs zum Thema „Intuitive Malerei“ ins Leben gerufen. Es ist sehr heilsam, sich im Prozess des Malens nicht zu bewerten. Aber auch gar nicht so einfach.

Wie siehst du generell die Rolle der Kunst in der heutigen Gesellschaft, besonders in schwierigen Zeiten?

Ich denke, Kunst sollte keine Rolle haben. Kunst darf alles und muss nichts. Es ist eine Form der Unterhaltung, des Selbstausdrucks. Ich finde aber, dass der Begriff „Kunst“ zu hochtrabend verwendet wird. Wer entscheidet schon, was Kunst ist und was nicht? Die Menschen haben alle soviel Angst davor, Zugeständnisse zu machen, da sie denken, man würde ihnen etwas wegnehmen. Aber Kunst kennt doch keine Grenzen. Jede:r darf eine andere Form der Kunst mögen und ungelernte Künstler:innen sollten genauso gesehen werden wie Kunstabsolvent:innen.  

Wie siehst du generell die Rolle der Kunst in der heutigen Gesellschaft, besonders in schwierigen Zeiten?

Ich denke, Kunst sollte keine Rolle haben. Kunst darf alles und muss nichts. Es ist eine Form der Unterhaltung, des Selbstausdrucks. Ich finde aber, dass der Begriff „Kunst“ zu hochtrabend verwendet wird. Wer entscheidet schon, was Kunst ist und was nicht? Die Menschen haben alle soviel Angst davor, Zugeständnisse zu machen, da sie denken, man würde ihnen etwas wegnehmen. Aber Kunst kennt doch keine Grenzen. Jede:r darf eine andere Form der Kunst mögen und ungelernte Künstler:innen sollten genauso gesehen werden wie Kunstabsolvent:innen.  

Gibt es etwas, das du anders machen würdest, wenn du auf den Beginn deiner Karriere zurückblickst?

Ich denke, dass alles seinen Sinn hat im Leben. Aber es wäre schön gewesen, früher zu erkennen, dass mein Leben früher viele ungesunde Dynamiken enthielt. Eine davon ist das System „Werbeagenturen“. Junge DesignerInnen werden extrem ausgebeutet und gegeneinander ausgespielt. Die Branche ist ekelhaft und es ist verantwortungslos, junge Menschen dort arbeiten zu lassen.

Zum Abschluss: Wie siehst du die Zukunft der Kunst, und welche Rolle möchtest du darin spielen? Welche Träume oder Ziele hast du für deine künstlerische Laufbahn?

Die Zukunft der Kunst, das maße ich mir nicht an zu beurteilen. Ich selbst würde gern meine Online-Kurse ausweiten und Kunst und mentale Gesundheit weiter miteinander verweben. Ich würde gern einen Live Kurs machen. Was meine Kunstwerke betrifft, würde ich mir weniger Selbstkritik wünschen, da tue ich mich noch manchmal sehr schwer.

 

Vielen Dank liebe Anna Karina!

 

April I 2024